Get Well SoonLOVE

„When the moon hits your eye like a big pizza pie, that’s amore“: Konstantin Gropper schaufelt sich den bleiernen Ballast von der Seele und singt auf der vierten Get-Well-Soon-LP vor allem von der Liebe. Und die kann ja bekanntermaßen seltsame Blüten treiben. Im Video zur ersten Single „It’s Love“ darf Charakterdarsteller Udo Kier dann gleich eine Art Josef Fritzl mimen, der seine Angebetete im Keller der schicken Wohnung gefangen hält. Der Song dazu klingt positiv beseelt: Ein präziser Beat eröffnet das Stück, Groppers Stimme setzt im gewohnten Moll ein, alles hier riecht und schmeckt nach Rotwein und Zartbitterschokolade. Dem Anspruch, edle, melancholische Popmusik von internationalem Format zu spielen, werden Get Well Soon hier gerecht.

Nicht nur die Vorab-Single zeugt von einer neuen Melodieseligkeit, einer fast fröhlichen Grundstimmung, die „LOVE“ wohl zum bislang besten Album der Gruppe macht. Die düstere Stimmung von einst schimmert auf dieser Leinwand nur noch leicht durch, beherzt leuchten im Vordergrund satte Rot-, Blau- und Grüntöne. Bereits der getragene Eröffnungssong „It’s A Tender Maze“ klingt trotz der zarten Zurückhaltung offener und weniger zornig und mit dem fantastischen „It’s A Catalogue“ bringt Gropper eventuell sogar Menschen zum Tanzen. So richtig gedankenverloren, Lederschuhe auf knarzendem Fischgrätenparkett, bis das Buchregal bedrohlich zu wackeln beginnt. Dieser tolle Song zeigt zudem, dass die Stimme des Wahl-Mannheimers auch in höheren Lagen funktioniert. Und wie!

„Eulogy“ gibt sich konventioneller, begeistert aber trotzdem, überzeugt durch seine Lockerheit, seine simple und doch so effektive Struktur. Vergleicht man solche Stücke mit den Kompositionen des Debütalbums „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“, so merkt man, wie gut die Reduktion Gropper und Co. tut. Wo man früher vor lauter Detailverliebtheit einen Song mit allerlei Ideen bestückte, so bekommen die neuen Stücke Luft zum atmen, Raum zur Entfaltung. War es gar eine Frage des Selbstbewusstseins? Vielleicht. Wer sicht nicht selber lieben kann, der sei auch nicht in der Lage, andere zu lieben, so sagt manch nachdenklicher Sprücheklopfer. „LOVE“ ist ein Album, das man unbedingt liebgewinnen sollte. Als eine Platte, die zwischen Herzschmerz und Euphorie alle Schattierungen der Liebe einfängt und sie treffend in schlüssige Songs übersetzt. Will sagen: Tick Tack! goes my automatic heart.

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