DIIVIs The Is Are

Zachary Cole Smith ist It-Boy, Junkie, Boyfriend und Musiker. All diese Rollen vereint der schlaksige Kerl mustergültig und verarbeitet die entsprechenden Eindrücke mit seiner Band DIIV. Die setzt nach dem Debüt „Oshin“ von 2012 nun zum großen Wurf an: „Is The Is Are“ ist ein Koloss mit seinen siebzehn Songs, die eigentlich weniger Songs sind als ineinander fließende Hypnoseübungen. Alles kreist und dengelt vor sich hin, die Gitarren bilden einen wohligen Strudel, darüber singt Smith in trockener Lakonie seine gelangweilten Verse. Was tatsächlich dröger klingt, als es in Wirklichkeit ist.

Ebenfalls am Start ist Smiths Popstar-Freundin Sky Ferreira, die sich ja ohnehin lieber mit Indie-Musikern rumtreibt als mit ihresgleichen. Mit „Blue Boredom (Sky’s Song)“ darf die Musikerin und Schauspielerin, die voraussichtlich in diesem Jahr noch ihr zweites Album „Masochism“ veröffentlichen wird, die Vocals zu einem atemlosen Postpunk-Song beisteuern, der in seiner dunklen Verträumtheit lustvoll bedrohlich wirkt. Und auch darüber hinaus legen DIIV größten Wert auf Körper- und Gestaltlosigkeit. Ihre Songs sind flüchtige Gesellen, melodische Geister, die für zwei, drei, vier Minuten betören und dann wieder abklingen, verschwinden gar, und doch in entfernten Winkeln des Hirns weiterspuken. Alleine der Eröffnungssong „Out Of Mind“ fräst sich schon mit Nachdruck ins Gedächtnis.

Wenn es auf diesem Doppelalbum überhaupt so etwas wie einen Hit gibt, dann kommt dem wohl „Under The Sun“ am nächsten: Hier klingen DIIV wie eine Light-Version von The War On Drugs, die Gitarren flirren und plinkern atmosphärisch, Smiths Stimme öffnet das Fenster und lässt die ersten Sonnenstrahlen des Jahres hinein. „Dopamine“ hingegen versenkt sich selbst rauschvoll im Rauch und sorgt für leichten Schwindel. Wie locker, wie zwanglos sich Smith und seine Leute diese vielschichtigen Tracks aus den löchrigen Ärmeln schütteln, ist indes bemerkenswert.

Über eine Distanz von siebzehn Songs in 63 Minuten ist es schwierig, die Spannung aufrecht zu erhalten, so viel ist klar. Vielleicht ist „Is The Is Are“ ein wenig zu lang geraten, um am Ende des Jahres, wenn die große Rückschau kommt, um die vorderen Plätze mitzuspielen. Die eine oder andere Länge ist freilich zu entschuldigen und so ganz ungelegen kommt es ja auch nicht, wenn man einfach mal die Augen schließen und sich entspannen kann. „Is The Is Are“ ist ein Album, bei dem der Hörer – auf der Hängematte liegend – sanft einschlummert, wenn der Tag mal wieder lang und die Nacht davor zu kurz war. Und das ist ein Kompliment. Kann man davon jemals genug kriegen?

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