AUFTOUREN 2015 - Die Musikvideos des Jahres

Was bleibt? 2015 ließ sich mal wieder beobachten, wie flüchtig technologische Trends für das Musikvideo wirken. War Andrew Thomas Huangs Virtual-Reality-Video zu Björks „Stonemilker“ mit seiner 360°-Rundumschau zu Erscheinen im Frühjahr noch ein Spektakel, stellte sich bald heraus, dass fast jedes andere 360°-Musikvideo auch daraus bestand, die Bands oder KünstlerInnen mehrfach gleichzeitig auftauchen zu lassen.

Ohnehin kann man sich nur noch nur über Umwege oder über eine iOS-App von Björk umringen lassen, denn Youtube hat das Video ist – mal wieder – in Deutschland blockiert. Die Willkür von Plattformen und denen, die sie beliefern, kann von einem Tag auf den anderen Inhalte einschränken oder verschwinden lassen. Insofern würden für die folgende Liste durchaus exzellente Werke wie Bob Gallaghers geoblockierte Videos für Girl Band und Nicki Minajs und Beyoncés Tidal-exklusives „Feelin‘ Myself“ nicht berücksichtigt, die nicht umstandslos angesehen werden können – die schwere Auswahl der 30 besten Musikvideos hat es nur wenig erleichtert:


30

 

Darwin Deez – Kill Your Attitude

Regie: Dent De Cuir

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Tötet Darwin Deez! Mörderische Virtualität mit einem Twist.


29

 

Gepe – Hambre (feat. Wendy Sulca)

Regie:  Ian Pons Jewell

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Gesellschaftliche Allegorie oder bloß ein makabrer Spaß? In jedem Fall ein stylisches Anden-Festmahl.


28

 

Joywave – Somebody New

Regie: Keith Schofield

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Skateboard-Stunts so weit jenseits aller physikalischen Gesetzmäßigkeit, dass es auch völlig unerheblich ist, wenn die CGI-Trickserei lächerlich unglaubwürdig wird.


27

 

Kate Boy – Higher

Regie:  Ben Strebel

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Das Kunststück, einen Clip über vier Minuten im Dunklen spielen und dennoch deutlich sichtbar zu lassen, ohne dafür Tageshelligkeit zu bemühen. Die kommt dafür umso effektvoller im Finale.


26

 

Grades – King

Regie: Taichi Kimura

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Eine Kinderfantasie, umso überzeugender in die Welt der Animation überfließend, weil die Hauptdarstellerin selbst eine besondere Action-Akrobatik zutage legt.


25

 

Chemical Brothers – Sometimes I Feel So Deserted

Regie: Ninian Doff

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Tsukamotos Tetsuo hätte seine Freude gehabt: Ein öliges Endzeit-Cyberpunk-Duell, in dem fleischige Ersatzteile wertvolles Gut sind.


24

 

Peaches – Rub

Regie: Peaches, A.L. Steiner & Lex Vaughn

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Eine rekordverdächtige Menge an nackter Haut – und dennoch auf vergnügliche Weise obszön. Es sollte zumindest niemand überrascht sein, dass der Clip geschwind von Youtube verbannt wurde.


23

 

Royal Blood – Out of The Black

Regie: David Wilson & Christy Karacas

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Ultraviolence indeed! Der überdrehte Cartoon-Gore der „Superjail“-Schöpferin geht so nahtlos und rasant in Realszenen über, dass man sich hinterher kaum erinnern kann, was eigentlich genau passiert ist. Aliens, Polizei, Hasen … und dann Pandemonium.


22

 

Hot Chip – Need You Now

Regie: Shynola

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Nicht nur als mehrstufiger Zeitreise-Wirrwar funktioniert der clever konstruierte Clip: Aus der Einsamkeit und Melancholie wächst glaubwürdig die Obsession, mit der Alexis Taylor sich letztlich nur mit sich selbst beschäftigt.


21

 

De Staat – Witch Doctor

Regie: Studio Smack, Floris Kaayk & Torre Florim

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Nicht immer, aber manchmal ist Masse einfach Klasse. Der digitale Zombie-Mob lässt sich zum größten Circle Pit aller Zeiten animieren.


20

 

Grimes – Flesh Without Blood / Life In The Vivid Dream

Regie: Grimes

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Rokoko- und Engelköstüm, Zocken, Rosen und viel Blut: Ein solch haarsträubender Mischmasch von Ideen sollte nicht ohne Weiteres zusammenhängen können, doch vermutlich weil er ihrer eigenen Fantasie entwachsen ist, kriegt Grimes aus sowas ein Videokonzept gemacht.


19

 

Autre Ne Veut – World War Pt. 2

Regie: Allie Avital

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Nicht nur aus orthopädischer Sicht (ganz schlechte Rückenbelastung!) verstörend, treibt das permanente An( und In-?)einander Intimität auf die Spitze, dass die explizite Verschmelzung beider Körper schon gar nicht mehr nötig wäre.


18

 

G-Dragon & TOP – ZUTTER

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Diese beiden sind wohl das lächerlich coolste Duo der Welt und könnten so ziemlich alles zu einem unterhaltsamen Videoclip machen. Aber ein Toilettenbesuch? „ZUTTER“ wagt die Probe aufs Exempel.


17

 

GUNSHIP – Fly For Your Life

Regie: Damian Nenow

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In diesem Fliegerduell gibt es keine gute und schlechte Seite. Der verbissene Kampf, unter zunehmend rot durchtränkten Grau- und Brauntönen clever auf schnellen Schnitt oder Zeitlupe schaltend, macht letztlich aus beiden Kombatanten Dämonen.


16

 

Lady Leshurr – Queen’s Speech Ep. 4

Regie: Wowa

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Es wäre wahrscheinlich weniger bemerkenswert, wie Leshurr und mindestens ein Kameramensch auf der Straße entlanglatschen und die Arme herumschwingen, wenn dies nicht eine Low-Budget-Produktion ohne Sperrgenehmigung wäre, die sowas tatsächlich mitten im fahrenden Verkehr abzieht.

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