Blue DaisyDarker Than Blue

Den Sound von Blue Daisy aus London zu beschreiben, ist alles andere als einfach. Zu viel Stimmvariation und Tempo, um als Spoken Word durchgehen zu können und stimmlich zu abgehakt und vor allem zu häufig mit Vocoder verfremdet, um in der Schublade neben Soul-Innovatoren wie SOHN zu landen. Blue Daisy erinnert mitunter eher an Faithless oder Ghostpoet in seinen apathischsten Momenten.

Der Elektro-Künstler, dessen bürgerlicher Name Kwesi Darko lautet und der für sein 2011er-Debüt bereits viele Lorbeeren einkassieren konnte, hat mit „Darker Than Blue“ jedenfalls eine besonders intime, insgesamt von einer düsteren Gesamtstimmung getragenen Platte produziert, die nur vereinzelt an die 2014 erschienene EP „Psychotic Love“ anknüpft. Neben auf Orgelmodus eingestellten Keyboards („Alone“) hört man auch Songs, die eher fragmentarisch wirken, fast wie nebenbei aufgenommen, als ob das Aufnahmegerät zufällig ein paar improvisierte Sessions eingefangen hätte (man lausche etwa „Home“ oder dem instrumentalen „Let´s Fly Tonight“).

Dann folgen hingegen überraschende Hardrock-Ausflüge mit satter Perkussion, bevor das Album mit einer Rapnummer („Let Me Breathe“) endet. Die progressive Grundausrichtung in allen Ehren, aber durch diese abrupten Stimmungswechsel wirkt „Darker Than Blue“ phasenweise leider etwas konturlos. Das erinnert ein wenig an die letzte Platte von Dean Blunt, an deren Dichte und Prägnanz Blue Daisy aber nicht ganz heranreicht.

Trotzdem: Hinter der oftmals nebligen Soundkulisse und Kwesis unverkennbarer Vorliebe für polyrhythmische Songstrukturen steckt ein kompositorisches Feingefühl, das sich vor allem in den ruhigeren, melancholisch verträumten Stücken zeigt. Hier wird man sicher noch einmal reinhören – und vielleicht entdeckt man dann im Dunkelblau doch noch ein Stück vom roten Faden.

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