LambertStay In The Dark

Maskenträger im Musikbusiness gehören ja meistens eher zu den extrovertierten Typen, doch bekanntlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Auch der junge Mann, der als Lambert Musik macht, trägt eine Maske: dunkel, mit Malerei verziert und zwei langen Hörnern. Die legt er auch nicht ab, wenn er am Flügel sitzt. Doch mit der Toten- oder Panda-Maske, deadmau5 oder Claptone hat der Pianist lediglich gemeinsam, dass er inkognito bleiben will. Lambert macht wortlose Neoklassik, beziehungsweise einfach nur wunderschöne Pianomusik. 2014 veröffentlichte er sein selbstbetiteltes Debütalbum, dazwischen und davor immer wieder pfiffig aufbereitete Interpretationen von Popsongs, die er in ein ganz neues Gewand hüllte. Im Vergleich zu früheren Kompositionen ist „Stay In The Dark“, dessen ganzes Material in der Nacht entstanden sein soll, tatsächlich einige Nuancen dunkler geworden. Das Album wirkt insgesamt einen Hauch dichter und noch pointierter als sein Vorgänger; ab und an sind leichte Jazzreferenzen und Ambient-Tupfer erkennbar, auch leise Bläser lassen sich im Hintergrund vernehmen („Locked“ oder „The Ship“), die den grundlegenden Minimalismus aber nicht aufheben können. Grundschemata, die nur leicht variiert werden – was aber keineswegs stört, weil Lambert mit jedem Stück sein Gespür für sensible, wahrhaft zarte Melodieführung beweist, bei der das Moll letzten Endes über dem Dur steht. Alles in allem überwiegt nämlich eine melancholische Grundstimmung, die eher an Yann Tiersen oder den Oden-Bastler Nils Frahm erinnert. Große Melodien, große Platte. Übrigens: das Gerücht, dass hinter Lambert der DJ und Produzent Erobique steckt, gilt mittlerweile fast als widerlegt. Denn der macht ja nachts eher Krawall.

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