Wer Beach House gerade erst lieb gewonnen hat, ist vielleicht enttäuscht. Wem Beach House in den letzten Jahren zu groß und laut – oder nach eigenen Worten gar aggressiv – geworden sind, kann nun wieder ruhig durchatmen und sich in der Harmonie verlieren. Zurück zu den Anfängen und hin zur verträumten Klarheit.

Nach dem großen Erfolg von „Bloom“ brauchten die beiden erst einmal eine Auszeit. „Bloom“ war ja fast schon ein wildes Album – für Beach House-Verhältnisse zumindest. Für „Depression Cherry“ wollte sich das Duo wieder auf das Wesentlichste besinnen. Dazu zogen sich Victoria Legrand und Alex Scally mit ihrem Produzenten Chris Coady, der bereits an den letzten beiden Platten mitwirkte, ins Studio zurück. Da der Winter auch in Baltimore bitterkalt sein kann, ging es für diese intime Phase der Produktion und völligen Abschirmung von Label und Management nach Louisiana in den Ort Bogalusa.

Beach House wollen wieder zurück zu den Anfängen und damit den Weg, den sie mit „Teen Dream“ und „Bloom“ gingen, verlassen. Es wird also ruhiger, sanfter und lieblich dröhnend. Den Schlagzeuger der letzten beiden Platten haben sie durch die alte Drum-Machine ersetzt und die poppigen Arrangements weichen schwerelosem, reduziertem Sound, der sich im Hall verliert. Die Drums rutschen in den Hintergrund und die Stimme rückt nach vorn, eher nach Trance als nach Dream-Pop klingend, aber immer noch herrlich träumerisch. Man kann sich also tiefenentspannt ins Bett legen, um die hypnotische Wirkung von Beach House auszureizen und sich selbst auf eine emotionale Isolation zuzubewegen. Wem das musikalisch nicht reicht, wird mit dem roten Samt auf dem Cover nachgeholfen. Dieser soll in seiner Beschaffenheit so schwer sein, dass man mit den Fingerspitzen die im Album enthaltene Sehnsucht spürt. Auch der Titel soll anregen, so steht „Depression Cherry“ als Metapher für die Reise innerhalb der eigenen Existenz, auf der die vertonten Gefühlszustände, Energien und Orte zu jener roten Samtfarbe verschmelzen.

Das eröffnende „Levitation“ ist dann auch gleich eine angenehme Einführung n beziehungsweise Überführung in den gewünschten Bewusstseinszustand. Das Keyboard spielt einen einzigen Ton, der sich langsam entfaltet, mit einer sanften Bassmelodie sowie stark slidender Gitarre angereichert wird. Spätestens wenn Legrands Stimme einsetzt, ist es so weit – dieser schwerelos, sphärische Zustand ohne Dynamik, aber mit Gefühl ist erreicht. Um jetzt aber nicht ganz wegzutreten oder die Aufmerksamkeit zu verlieren, folgt der dynamischste Song des Albums und die erste Singleauskopplung „Sparks“. Das mag wohl auch damit zu tun haben, dass allein für diesen Titel der Schlagzeuger Chris Bear engagiert wurde, wodurch er noch am ehesten an das Vorgängeralbum erinnert. Auch wenn „Sparks“ anfänglich etwas treibend Interessantes an sich hat und man sogar eine Disharmonie raushören möchte, fügt sich der Song dann doch, leider zu schnell, der Harmonie.

Auch „10:37“ sticht durch eingängigen Beat verführerischer Melodie heraus. Insgesamt bleibt „Depression Cherry“ etwas farblos und ohne echte Überraschungen. Beach House möchten zwar weg vom erfolgsversprechenden Poppigen und wieder zurück zum gefühlsbetonten Musizieren, verbleiben aber im fast schon gezwungen Harmonischen und deuten die spannenden Gefühlszustände nur an oder lassen sie gar nicht erst zu. Das ist schade, da Titel wie „Beyond Love“ oder „Space Song“ Energie und Leichtigkeit auf betörende Art und Weise zusammenführen. Sie können es also noch.

Wer sich Beach House in diesem Jahr noch live anschauen möchte und doch eher Fan der alten Songs ist, hat auf der Beach-House-Homepage die Möglichkeit, sich mittels eines „Setlist Creators“ drei Titel zu wünschen, welche dann vielleicht sogar gespielt werden. Also los, solche eine Gelegenheit gibt es nur selten!

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