„You are calm. Quiet. Peaceful. Drowsy. Sleepy. Calm. Quiet. Very drowsy. Very sleepy and going still deeper. You are receptive and sensitized to my voice and my suggestions. Now take a deep breath and just start to let go completely.“ Als Dr. Yen Lo laden der New Yorker MC Ka und Produzent Preservation auf „Days With Dr. Yen Lo“ zur Hypnosesitzung – Teilnahme auf eigene Gefahr.

Es gibt vermutlich nur sehr wenige Artikel über Ka, die zur Umschreibung seiner minimalistischen Musik und seines monotonen Flows nicht das Adjektiv „hypnotisch“ verwenden. Insofern verwundert es auch nicht weiter, dass der MC aus Brooklyn sein neuestes Projekt nach dem Arzt und Hypnotiseur aus „The Manchurian Candidate“ benannt hat, der einen US-amerikanischen Soldaten während des Koreakrieges einer Gehirnwäsche unterzieht. Doch auch wenn Dialogfetzen aus dem Politthriller von John Frankenheimer ertönen und eine Seite der Romanvorlage von Richard Condon das Artwork ziert, orientieren sich die Songs von „Days With Dr. Yen Lo“ höchstens lose an der Handlung des Films.

Stattdessen drehen sich Kas Meditationen erneut um Gewalt, Rache, Schuld und Vergebung, und damit um Themen, die ihn schon auf dem Vorgänger „The Night’s Gambit“ umtrieben und nicht losließen: „When you’re raised around rage and vengeance/ You can change but in your veins remains major remnants.“ Sein Erzählstil bleibt dabei sprunghaft und kryptisch, an stringenten Geschichten scheint Ka weit weniger interessiert als an kunstvollen und anspielungsreichen Reimketten. Dabei erinnert er an einen etwas unheimlichen Eigenbrötler, der meist still in der Eckkneipe sitzt und nur zu besonderen Anlässen ein paar Lebensweisheiten zum Besten gibt: „I give you life decoded/ Nicely quoted.“

Auch musikalisch knüpft „Days With Dr. Yen Lo“ an den Vorgänger an, treibt dessen Minimalismus aber weiter auf die Spitze. Klangen die Instrumentals auf „The Night’s Gambit“ noch wie entschlackter Zeitlupen-Boom-Bap, verzichtet Preservation nun bei vielen Songs fast vollständig auf perkussive Sounds und die charakteristischen Kicks und Snares – Boom-Bap ohne „boom bap“. So genügt beispielsweise „Day 0“ das kurze Zischen einer Hi-Hat als rhythmisches Grundgerüst. Wenn Preservation doch Schlagzeug einbaut, gibt es nicht den Puls vor, sondern dient dramaturgischen Effekten: „Day 811“ steigert sich dank Drum-Fills zu einem überraschend energischen Finale, die Trommel- und Beckenwirbel im psychedelischen „Day 777“ tragen zur unheimlichen Horrorfilm-Atmosphäre bei. Für „Day 912“ verarbeitet der Produzent das okkulte „Déjà Vu“ von Elektronik-Pionier Mort Garson, das dieser 1975 als Begleitmusik für Meditationen konzipierte, und knüpft damit an die Hypnose-Thematik des Albums an: „Now take a deep breath and just start to let go completely.“

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