HeemsEat Pray Thug

Mit Das Racist kombinierte Heems auf zwei Mixtapes und einem Album bekifften Klamauk und parodistische Albernheiten mit cleveren politischen Aussagen. Auf seinem kommerziellen Debütalbum gelingt dem MC mit indischen Wurzeln dieser Spagat nur selten, beide Elemente stehen sich meist isoliert gegenüber. Das sorgt einerseits dafür, dass die Gags auf „Eat Pray Thug“ nur noch selten zünden, verleiht Himanshu Suris „post-9/11 dystopian brown man rap“ andererseits in den ernsteren Moment eine sehr persönliche und damit berührende Note.

Obwohl die Blödeleien schon bei Das Racist dazu führten, dass die Gruppe selten ernst genommen wurde und ihre Aussagen zum alltäglichen Rassismus in den USA gerne überhört wurden, macht Heems gleich mit dem Opener „Sometimes“ klar, dass er sich auch auf seinem Solodebüt nicht zwischen Ernst und Komik entscheiden will: „Sometimes I’m about chicks/ Sometimes it’s politics.“ Mal so, mal so. Dennoch zeigt der Song auch, warum gerade die humoristische Seite des Albums so einen schweren Stand hat, wenn Heems in der zweiten Hälfte das Wort „Clarity“ für fast 30 Sekunden wiederholt und dies anschließend mit seiner Faulheit begründet: „Sometimes I write hard/ Sometimes I’m mad lazy/ I just repeat words like ‚clarity‘.“ Einen ähnlichen Witz haben Das Racist mit „Combination Pizza Hut And Taco Bell“ bereits bis zur Schmerzgrenze ausgereizt – genau wie viele andere parodistische Elemente von „Eat Pray Thug“.

Auch auf musikalischer Ebene spielt Heems mit Klischees, wenn er in „Damn, Girl“ und „Pop Song (Games)“ auf käsige Autotune-Hooks oder gar Bollywood-Elemente setzt. Doch da hier die ironische Brechung fehlt, klingen diese Stücke eben nicht wie amüsante Parodien, sondern wie einfallslose Popsongs. Allerdings weiß man auf „Eat Pray Thug“ auch nie, ob man tatsächlich die Instrumentals hört, die Himanshu Suri für die Songs eingeplant hatte, da das Label wohl nicht bereit war, einige Beats von Diplo und A-Trak und die Kosten für indische Samples zu bezahlen. Der Streit zwischen dem MC und seinem Label eskalierte so sehr, dass Heems seine Fans per Twitter aufforderte, das Album illegal herunterzuladen.

Doch zwischen diesen eher uninspirierten Momenten verstecken sich auf „Eat Pray Thug“ auch Heems bisher beste Songs, die in eindrucksvollen Bildern erzählen, wie aus dem Alltagsrassismus nach dem 11. September erst Argwohn, Furcht und schließlich offener Hass wurde. Angelehnt an ein Essay von David Foster Wallace schildert Heems in „Flag Shopping“ und „Patriot Act“, wie sein Vater nach den Anschlägen demonstrativ eine USA-Flagge vor das Haus hängt: „And so we rushed to buy flags for our doors/ Bright American flags that read ‚I am not Osama‘.“ Heems selbst ging zur Zeit der Anschläge in Lower Manhattan zur Schule, deren Sporthalle als Notlazarett diente, und war also direkt betroffen und schockiert – mehrmals fällt der leicht variierte Satz: „In the 10th grade sat in class, saw the towers and the planes/ And I’ll never be the same, never ever be the same.“

Umso größer war das Unverständnis, als die Trauer seiner Mitmenschen plötzlich in blinde Wut umschlug, die sich gegen seine Familie und andere Minderheiten richtete: „And from then on they called us all Osama/ This old Sikh man on the bus was Osama/ I was Osama, we were Osama.“ Doch statt sich gegen diese Anfeindungen zur Wehr zu setzen, versuchte man nur mit allen Mitteln, nicht aufzufallen, um nicht als Unruhestifter zu gelten:

„And we ironed our polo shirts and we combed our hair
And we proudly paid our taxes
And we immediately donated to a local white politician
And we yelled ‚I’m just like you!‘ as quietly and calmly as we could
So as not to raise too much attention and be labeled a troublemaker and lose one’s job
Like when my name was too long to pronounce at work and raised too much attention
And I was labeled a troublemaker, so I changed it.“

Wenn Himanshu am Ende des Albums noch einmal diese Entwicklung Revue passieren lässt, klingt er verbittert und desillusioniert und überhaupt nicht mehr zu Scherzen aufgelegt. So endet „Eat Pray Thug“ nicht mit einem Witz oder einem Augenzwinkern, sondern einem resignierten Seufzer.

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