ErfolgErfolg

Wie sagt man doch so schön: „Erfolg ist menschlich“. Oder auch: „Erfolg ist wie eine Droge, man will immer mehr davon“. Dass man’s mit dem Erfolg nicht immer leicht hat, ist wohl die Aussage der meisten Sprüche, die sich darum ranken. Was soll man da von einem Musikprojekt halten, welches sich den Namen Erfolg gibt? Die Antwort liefert direkt der erste Track: „Ich nenn mich Erfolg, dann hab ich immer Erfolg in meinem Leben“ – genauso simpel wie ironisch.

Johannes von Weizsäcker, bekannt als Sänger der Londoner Popband The Chap, steckt hinter dem Projekt und dachte sich zunächst, dass es mal an der Zeit sei deutsche Musik zu machen, wenn er doch schon aus Deutschland kommt und auf die 40 zugeht. Und da man per Definition Erfolg haben müsste, wenn man sich Erfolg nennt, war der Name schnell gefunden. Als Unterstützung fungiert ein Damenchor, wobei der Name in Anbetracht der Zusammensetzung etwas verwirren kann. Denn unter teilweise wechselnden Damen versteckt sich ebenso der Schlagzeuger von The Chap, welcher jedoch ein interessantes Accessoire abgibt.

Das Projekt begann dann auch direkt mit einer Erfolgsgeschichte. Weizsäcker bewarb sich mit der Idee beim Berlin Music Board, bekam ein Stipendium und so die Aufgabe, innerhalb eines Monats jeden Tag einen Song aufzunehmen. Damit er beim Songschreiben nicht ganz allein gelassen und das Ganze etwas interaktiver wurde, durfte die Online-Crowd mithelfen, indem sie Textideen oder Soundschnipsel einschickte und so an der Entstehung beteiligt sein konnte. Die Songs gibt es inzwischen alle auf der Soundcloud-Seite von Erfolg zu hören.

Nun gibt es darüber hinaus auch ein Album – natürlich mit dem Titel „Erfolg“. Die Geschichten darauf sind allesamt witzig und charmant, oft absurd und doch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Es geht vor allem um Männergestalten, die es nicht zu beneiden gilt. Wie den „Klaviermann“, der als trauriger und bemitleidenswerter Kneipenbesucher in melodramatischer Begleitmusik beschrieben wird, wobei der Chor durch engelsgleichen Klang ein wenig Hoffnung in die triste Stimmung bringt. Ebenso mäßig charmant ist der Brillenmann im gleichnamigen Song, der vor allem aus dem Kulturbereich recht bekannt sein könnte, jener Mensch, der immer schon da ist, wenn man selbst erst kommt und welcher keine Möglichkeit zum Netzwerken auslässt. Besonders tragisch wird es beim „Mausmann“, der als Investment-Fonds-Manager Ausflucht in einer Koch-Casting-Show sucht und den sein Erfolg direkt wieder zu Fall bringt.

Das Album lebt vor allem von den Texten und Geschichten, doch auch die lässig-ambitionierte musikalische Begleitung hat einen besonderen Charme, da sie sich selten in den Mittelpunkt rückt und den Texten ein hübsches Fundament liefert. Mit Gitarren, Drumcomputer und Synthesizer werden einfache Melodien gezaubert, die gelegentlich etwas abdrehen, jedoch niemals abheben. Besonders der Chor bringt eine süßliche und besondere Note in die Kompositionen. „Erfolg“ ist ein ganz besonderes Album mit Ecken und Kanten, und vielleicht trifft es auch hier zu: „Erfolg ist wie eine Droge, man will immer mehr davon.“

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