Snow GhostsA Wrecking

Es ist sehr lustig, „Snow Ghosts“ in die Suchmaschinenbildersuche einzugeben. Da gibt es unzählige weiß-blau strahlende Bilder von Figuren, die der Schnee so schaffen kann, und mittendrink das sepiafarbene Porträt des Duos – scheinbar aus einer anderen Zeit. Passt ganz gut, denn aus einer anderen Zeit, so fühlt sich „A Wrecking“ auch beim erstmaligen Hören an. Zunächst ein Konzeptalbum-Einstieg mit dem kurz angerissenen „A Wrecking (Part I)“, gefolgt von „Held The Light“, das zwei Minuten Kratschen, Streichinstrumenten und einem nach Bar klingenden Klavier Platz verschafft, bevor Hannah Cartwright aka Augustus Ghost ihren Gesang erhebt. „Circles Out Of Salt“ macht dann endgültig deutlich, dass Elektronik hier etwas sehr Biologisches gebärt, etwas mit Wärme und einem Leben stiftenden Puls.

Throwing Snow alias Ross Tones (womit der Bandname auch leidlich erklärt wäre), Cartwright und der mittlerweile dazugestoßene Oliver Knowles (EXES) verschaffen mit Snow Ghosts‘ zweitem Album sehr intensive Hörerlebnisse, allesamt getragen von der teilweise fast folkigen Stimme der Britin („Take A Life“). Die Einflüsse, die die drei mitbringen, sind dabei mannigfaltig. Tones hat schon mit Bonobo und Atoms For Peace gearbeitet und betreibt ein eigenes Label (left_blank), Cartwright hingegen kann Arbeiten mit Phaeleh und Masakichi vorweisen.

Immer wieder, wenn man vermeint, eine passende Kategorie für „A Wrecking“ gefunden zu haben, kippt das Ganze wieder aus der eben geöffneten Schublade. Mal ist es Folk, mal Trip-Hop, mal Elektro – sein Facettenreichtum macht dieses Album aus. „On Knives“ kommt einem Kampf zwischen Mensch und Maschine gleich, „The Wreck“ schlägt Metall auf Metall, Synthesizer erheben sich gewitterartig in die Höhe. Vieles ist Erforschung des Klangraums und bietet nur schwer Momente, in denen man sich aufgefangen fühlt. „A Wrecking“ hat über lange Strecken etwas Forderndes, weil es noch mehr als das Debüt mit herkömmlichen Soundkonstrukten bricht.

„The Fleet“ bietet dabei noch Orientierung durch die Stimme Cartwrights. Das Verstörende der hämmernden Beats und klagenden Geigen kann sie auffangen. „A Wrecking“ ist somit nie beliebig, aber immer wieder mal etwas blutleer. Es fehlt der letzte Funke Faszination, um es zum Meisterwerk ernennen zu können.

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