SpidergawdII

Die Ausgangslage könnte kaum unterschiedlicher sein: Sänger Per Borten hat nach mehreren gescheiterten Versuchen die Schnauze voll vom Musikbusiness und glaubt nicht mehr an eine große Karriere, Bent Sæther und Kenneth Kapstadt dagegen gehören hauptberuflich zur norwegischen Rock-Institution und Ausnahmeerscheinung Motorpsycho. Der eine will nichts mehr beweisen, die anderen beiden müssen nicht mehr und so stehen bei ihrem gemeinsamen Hardrock-Projekt Spidergawd auch auf dem zweiten Album der Spaß und die Spielfreude im Vordergrund.

Es beginnt mit dem Blues. Nicht nur die gesamte Popmusikgeschichte fußt auf diesem ursprünglichsten Genre, auch „II“ startet mit einem urwüchsigen und vor sich hin schlingernden Blues. Doch nach eineinhalb Minuten fegen stürmische Gitarren und das wirbelnde Schlagzeugspiel von Kapstadt die typisch leidende Stimmung weg und verwandeln das eröffnende „…Is All She Says“ in eine vorwärts eilende Walze. Das folgende „Tourniquet“ rast ähnlich plättend dahin und zeigt außerdem die Qualitäten Per Bortens als charismatische Rampensau.

„Crossroads“ stampft dagegen – von tonnenschweren Riffs gebremst – bedächtiger voran, entwickelt sich in der zweiten Hälfte dank Cowbell und Desertrock-Riffs zu einem echten Groovemonster. Mit „Fixing To Die Blues“, das an den gleichnamigen Song der Delta-Blues-Legende Bukka White angelehnt ist, kehrt das zu Beginn erwähnte Genre noch einmal zurück, auch wenn Spidergawds Version eher an die Metallica der „Ride The Lightning“-Phase erinnert.

Bei „Caerulean Caribou“ hat dann das vierte Mitglied der Band, nämlich Saxofonist Rolf Martin Snustadt, seinen ersten großen Auftritt. Er beginnt das Instrumentalstück mit einigen langen, ruhigen Tönen, bis ein enorm nervöses Jazzschlagzeug diese meditative Stimmung stört und sich Snustadts Saxofon schließlich von der Hektik anstecken lässt.

Die zweite Hälfte des Albums wiederholt und variiert dann diese Elemente, „Made From Sin“ jagt wieder in schwindelerregendem Tempo, befeuert von den Fills des Drummers dahin, „Our Time (Slight Return)“ setzt dagegen mehr auf Groove. Mit den beiden Songs „Get Physical“ und „Sanctuary“, die neben Classic Rock und Hardrock auch noch eine ordentliche Prise Glam ausstrahlen, verstecken sich in dieser Hälfte die vielleicht größten Hits des Albums. Aber um so etwas geht es Spidergawd ja nicht, schließlich wollen die vier Herren mit dem angeblich in drei Tagen komplett eingespielten und abgemischten „II“ nur Spaß haben. Und der ist während der 42 Minuten ziemlich ansteckend.

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