Zun Zun EguiShackles Gift

Ein wenig erinnert die Stimme von Kushal Gaya an jene Lautsprecherdurchsagen in der Bahn, die hauptsatzgetrieben zumeist Ursachendefensive betreiben. Das mag aber auch daran liegen, dass die Instrumentierung von Songs wie „Late Bloomer“ ihn fast ein wenig in die Enge drängt, ein Vielerlei der Musikkulturen durchdringt jedes Stück von „Shackles Gift“. Dass nichts Herkömmliches entstehen konnte, als der mauretanische Sänger und die japanische Keyboarderin Yoshion Shigara nach Bristol gelangten und eine Band gründeten, liegt wohl auf der Hand. Manchmal fast trotzig reckt Gaya seine Stimme empor und besinnt sich auf das Wesentliche: Shouts. So auch in „The Sweetest Part Of Life“, wo er immer wieder „freedom“ skandiert und schwere Trommelfolgen und Gitarrenriffs gleichberechtigte Partner sind. Auch auf Zun Zun Eguis zweitem Album umgeben sich die beiden Kernmitglieder mit einer Gruppe von Musikern, die im besten Sinne zum Experimentieren anregen. Wäre Gayas markanter Gesang nicht, könnten die Songs ohne Probleme auch auf unterschiedlichen Alben stattfinden: Es gibt Funk („Rigid Time“) und Stadionkrach („African Tree“) mit Tears-For-Fears-Anleihen und Marching-Band-Attitüde, „Ruby“ kommt brachial und auf den Punkt daher, „Soul Scratch“ lässt Gaya viel Raum für spielerischen Gesang bei spartanischer Instrumentierung. „Austoben“ ist vielleicht das beste Signet, das man „Shackles Gift“ geben kann. Wer eine Kategorie, einen extrem roten Faden zum Albumgenuss benötigt, ist hier falsch. Wer es jedoch aushält, mit jedem Song eine neue Welt zu entdecken, sollte sich „Shackles Gift“ mehrmals anhören, um alle Finessen zumindest ansatzweise begreifen zu können.

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