The DodosIndivid

Das sechstes Album des Duos beginnt fast ein wenig meditativ, mit schweren, schlingernden Gitarrenriffs, zu denen sich jedoch bald alle anderen Instrumente gesellen und mit der Stimme von Sänger Meric Long ein vertrautes Ganzes ergeben. „Individ“ ist ein Stück Dodos-Heimat, in der sich über die Jahre immer ein wenig etwas tut, aber nie genug, um fremd zu werden. Auch nach Jahren sind dort die vertrauten Gesichter zu finden, die man mag und über die man sich beim Wiedersehen freut.

„The Tide“ nimmt als zweiter Song gleich ein wenig mehr Geschwindigkeit auf. Die schweren Riffs bleiben, jedoch leichtfüßig von Gitarre und Drums begleitet. Sommer fährt durch den Kopf, denn solche Musik verdient Helligkeit und Füße im Sand. Kein Wunder, San Francisco als Heimat zu haben, muss Wärme entstehen lassen – gerade dann, wenn man sich wie The Dodos seit neun Jahren über gemeinsame Musik auszudrücken sucht. Diese lässt einen auch beim Hören von „Individ“ das Grau vergessen, das den deutschen Winter zur Zeit prägt.

Der Song „Bubble“ sorgt sich um ein Gegenüber, das mit den großen Herausforderungen des Lebens zu kämpfen scheint. The Dodos reflektieren über die „Bubble“, in der wir uns alle mal mehr und mal weniger bewusst befinden. Sind es die Spiegelungen auf dieser Blase, oder ist es tatsächlich die Realität, die wir da zu sehen scheinen? Weniger philosophisch widmet sich „Competition“ unter anderem der Frage, ob die oder der Geliebte vergessen sein wird oder werden kann, wenn sie/er geht. „Perfect chain, reflected“ – jaja, die Liebe kann eben auch ein Stück weit Ankettung bedeuten – wenn man sie falsch angeht. Oder genau richtig?

Insgesamt ist „Individ“ ein Gang durch alle Bereiche des Lebens. Ein wenig muss man auf leicht zu ergreifende Melodienläufe stehen, oberflächlich fordern The Dodos ihre Hörer nicht mit vertrackten Konstrukten heraus. Aber wer ein wenig auf die Texte hört, wird sich sicher wiederentdecken in dem, was Long da so singt. Das Album birgt also keine Überraschungen, aber jenen, denen The Dodos schon vorher ans Herz gewachsen sind, ist es eine gute Heimat. Hüpfend, fröhlich, grinsend begibt sich das Duo durch das Leben und beobachtet und erlebt und teilt mit – nicht, ohne mit Songs wie „Retriever“ auch mal zum Innenhalten aufzufordern. Machst du noch das, was du wirklich magst? Eine Fortführung des Gekonnten und Vertrauten. Und handwerklich immer noch so viel mehr, als andere bieten.

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