SBTRKTWonder Where We Land

Ein Sampler ist ja meistens nichts Besonderes, wenn er nur eine Ansammlung von Songs verschiedener Musiker ist, kann jedoch oftmals Abwechslungsreichtum und Hitpotential für sich beanspruchen. Ein Album dagegen kann, im schlimmsten Fall, auf Dauer recht eintönig erscheinen, sollte aber einer interessanten Dramaturgie folgen. „Wonder Where We Land“ nimmt sich aus beiden Formaten die besten Eigenschaften heraus – das Ergebnis ist ein facettenreiches Album, welches zeigt, was die elektronische Musik zu bieten hat.

Vor drei Jahren erschien SBTRKT mit seinem gleichnamigen Debüt als überraschender Neuling der britischen Dance-Szene. Es war der Versuch, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen, wofür die Single „Wildfire“ mit Little Dragon wohl das beste Beispiel war. Sie besteht lediglich aus vier Elementen: Bassline, 808-Drumcomputer, Sirene und Stimme – die Wirkung ist jedoch um einiges imposanter. Das Rezept des Londoners war es, mit wenigen Zutaten einen Song zu kreieren, der dennoch das gewünschte Gefühl vermittelt.

Dieses Mal aber hat sich Aaron Jerome auf die Spuren von Pink Floyd, Radiohead, Police und den Beatles begeben. Die Songs der Bands entstanden in Studiosessions und da SBTRKT bereits auf dem ersten Album gerne mit anderen Musikern kollaborierte, lud auch er diesmal verschiedenste KünstlerInnen ein. Mit ihnen gestaltete er nicht nur die Songs, sondern konfigurierte auch das Studio selbst. Um für das Projekt gut vorbereitet zu sein, stockte er sein gesamtes Equipment auf, sodass auch seine Liveauftritte nicht mehr nur mit drei Geräten auskommen, sondern inzwischen 25 benötigen – das entspricht nahezu dem kompletten Studio.

Jeromes Konzept, mit seinen jeweiligen KoballorateurInnen zusammen das Studio einzurichten, um dann diese individuelle Ordnung zum Jammen zu nutzen, ging vollends auf. So entwickelt Chairlifts Sängerin Caroline Polachek in „Look Away“ einen betörend-düsteren Charme, A$AP Ferg präsentiert in „Voices In My Head“ eine für ihn ungewohnte Art des Rappens und Vampire-Weekend-Sänger Ezra Koenig macht aus „New Dorp. New York“ einen verspielt abstrusen Afro-Pop-Song. Selten bekommt man ein derart abwechslungsreiches, dennoch fein abgestimmtes, dynamisches, gute Laune-produzierendes und erfrischend lockeres Album zu hören, das sich im Alltag so vielfältig anwenden lässt: zum Entspannen, Feiern, Putzen, Arbeiten, Diskutieren … Niemals ist es zu aufdringlich und läuft auch nicht Gefahr, in die Bedeutungslosigkeit kippen.

„Wonder Where We Land“ – am Ende bleibt Verwunderung und Begeisterung über diese musikalische Landung. Ein Schlaraffenland der britischen Bassmusik über beruhigende House-Oasen, verfrickelte HipHop-Reliefs, entspannte Neo-Soul-Alleen, dröhnende Rave-Landschaften und prickelnde Pop-Wasserfälle. Am Ende bemerkt man, dass die persönliche Erholungsskala ein klein wenig gestiegen ist. Hier lässt sich’s leben.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum