Da ist sie also, die Konsolidierungsplatte nach dem identitätsgefährdenden Debakel von „Celebration, Florida“. Die Felice Brothers haben sich wieder ihrer Folk-Kernkompetenz zugewandt und verzichten auf zwanghafte Experimente. Das hat der Band merklich gut getan, Vieles auf „Favorite Waitress“ ist gelöster und pointierter produziert als die knarzig-polternden Erstwerke. „Cherry Licorice“ und „Lion“ aber fügen sich nahtlos in den Kanon ihrer großartigen Singles ein und stellen abermals das räudige Element heraus, das diese Band immer schon ausmachte. Am nahbarsten sind die Zimmermannssöhne immer dann, wenn sie leise werden, wie im schwelgenden „Bird On A Broken Wing“ oder der pastoralen Erbauungshymne „Constituents“. Beide Songs gehören zum Besten, was die Band bisher aufgenommen hat – warum es doch nicht ganz für vordere Plätze reicht? Weil das Geschichtenerzählungs-Element, das Simon Felice beisteuerte (er verließ die Band 2010) fehlt und es deshalb keinen Schutz vor unterkomplexen Textpassagen wie in „No Trouble“ gibt. Andererseits: Lyrics wie aus dem Satzbaukasten eines texanischen Cowboys gab es bei den Felice Brothers immer schon – es ist zu verschmerzen. Und wenn man einen Felice-Brothers-Song auch noch zehn Meilen gegen den Wind erkennt, dann ist das in Zeiten von mangelndem Distinktionsgewinn innerhalb der Gitarrenbranche nicht hoch genug einzuschätzen.

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