Angefangen haben die beiden Jungs aus Akron mit kantigem Blues und zwei Instrumenten: Gitarre und Schlagzeug. Mit den Jahren wurde der Sound breiter, verschiedenste Einflüsse kamen hinzu, zwischenzeitlich waren sie die Vorzeigeband in Sachen Blues-Rock. Doch was kommt nun – Pop?

Man ist sich beim Durchhören nicht ganz sicher, ob jeder Song auf ihrem achten Album so gut ist, dass keiner explizit heraussticht – das Kanonenfutter also nur so um sich geschmissen wird, dass man davon am Ende gelangweilt ist –, oder einfach nur eine relaxte Mittelmäßigkeit konsequent durchgezogen wird. Gut, ganz so leicht sollte man es sich nicht machen. „Turn Blue“ wirkt beim ersten Hören tatsächlich etwas durchschnittlich, was aber vor allem mit der Erwartungshaltung zu tun hat. Jedem ist wohl noch „Lonely Boy“, „Gold On The Ceiling“ oder „Howlin’ For You“ in Erinnerung. Das gehört zunächst der Vergangenheit an, denn ganz so schwungvoll und eingängig wird es diesmal nicht. Hits muss man sich zusammensuchen, Kanten wurden geschliffen, der Sound ist clean, die Stimmung psychedelisch und die Haltung eher zurückgelehnt als nach vorne gehend – entspannter Blues im Pop-Kokon.

Dieser Richtungswechsel liegt nicht zuletzt an einer langwierigen und unschönen Scheidung Dan Auerbachs von seiner Ehefrau. Dabei ging es um fünf Millionen Dollar, das Sorgerecht für die Tochter Sadie Little und, wie er gern erwähnt, sein Lieblingsposter von Bob Dylan. So ist das prägende Thema der Texte auch – wen mag es überraschen – Liebe. Bereits im Eröffnungsstück „Weight Of Love“ wird der Blickwinkel darauf in die schönen Worte gefasst „I really don’t think you know/ There could be hell below“ oder auch „The house has burned, but nothing there was mine“. Auch nicht ganz unschuldig ist der Erfolg des letzten Albums „El Camino“. Selbst wenn es ganz interessant gewesen sein mag, ist so viel Trubel um ihre Person sicher nicht der Stil der beiden. Sie wollen endlich wieder in kleinen Clubs spielen, auf öffentliche Toiletten gehen, ohne um ein Autogramm gefragt zu werden und nicht mehr auf langweiligen Preisverleihungen rumhängen. Dan Auerbach und Patrick Carney sind eben ganz normale Leute, die gute Musik machen und keinen Fame brauchen. So sind sie halt auch manchmal unberechenbar und liefern uns mit „Turn Blue“ eine Abrechnung, worauf allein schon der Titel schließen lassen soll: „Turn Blue“ ist ein Spruch aus den 50er-Jahren, der soviel bedeutet wie „Fall tot um“. Eine Abrechnung auf den Scheidungskrieg mit seiner Ex, Kritikern und den einfallslosen Veranstaltungen der Musikindustrie.

Entstanden ist das Album wieder einmal ohne konkrete Vorstellung direkt im Studio mit dem Produzenten und inzwischen fast schon dritten Bandmitglied Brian „Danger Mouse“ Burton. Besonders auffallend sind auf der Platte diesmal die Keyboardsounds, die in den Songs dominieren und das Gitarrenspiel in den Hintergrund rücken. Das mag zwar ganz interessant sein, ist für die Black Keys aber dennoch vorerst gewöhnungsbedürftig. Manchmal erinnert der Sound an Pink Floyd („Weight Of Love“), mal an die Beatles („In Our Prime“) oder auch an Jack White („It’s Up To You Know“). „Turn Blue“ ist nun kein Grund für Begeisterungsstürme, doch das soll es auch gar nicht sein. Es ist ein stimmiges Blues- und ein überraschendes Pop-Album. Lediglich der Abschluss mit „Gotta Get Away“ lässt den Hörer durch seine Country-Classic-Rock-Attitüde etwas verunsichern. Aber das zeigt nur wieder: The Black Keys sind manchmal unberechenbar.

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