HospitalityTrouble

Zuviel Freundlichkeit führt schnell dazu, unterschätzt zu werden. So erging es vor rund zwei Jahren dem Debütalbum von Hospitality, das neben sommerlicher Indiepop-Herzigkeit so manch versteckte Finte zu bieten hatte. Man musste eben nur genau genug hinhören. Der Zweitling „Trouble“ gibt sich nun alle Mühe, auch die düsteren und wilden Seiten des Brooklyn-Trios stärker zu betonen, was nicht nur eine wesentlich melancholischere Grundstimmung zur Folge hat, sondern unter anderem auch, dass in „I Miss Your Bones“ zum ausgelassenen Gniedel-Showdown angesetzt wird, wie er jeder Stephen-Malkmus-Platte zur Ehre gereicht hätte. Noch auffälliger ist jedoch die Hinwendung zu synthielastigen, flächigen Sounds, die wie das episch ausfadende „Last Words“ eher an Johnny Jewels Bands erinnern als an den Glasgow-geschulten Twee-Pop des Debütalbums. Mit „Trouble“ weiten Hospitality ihr zu eng gewordenes Bandkorsett in alle erdenklichen Richtungen, ohne dabei in banalem Eklektizismus zu verenden. Dass sie sich ihren ureigenen Charme bewahren, ist nicht nur Verdienst des gewohnt charmanten Organs von Sängerin Amber Papini, sondern vielmehr Ausdruck der angesichts des gerade einmal zweiten Albums unwahrscheinlichen Reife dieser Gruppe, die bei aller formalen Cleverness mit leuchtenden, neugierigen Augen in die Welt blickt.

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