Pop + Poesie


Musikbusiness-Sprache. Diagnose: Musick

Musikbusiness-Sprache. Diagnose: Musick Ich  bin wie immer pünktlich am Venue und schaue mich erst mal drinnen um. Ah, die Backline steht bereits! Später beim Konzert werden gleich zwei Drumkits ordentlich Druck durch die PA blasen. Soundcheck war wohl schon, jetzt dürften »Surfmonk« entsprechend genug Zeit für das Q&A haben, wenn sie nicht gerade über das Catering herfallen. Eigentlich wollte mir Marc von »On///Off«-Records nur ein Phoner mit der Band andrehen, aber auf die Intensität eines Face-To-Face will ich als Musikjournalist natürlich nicht verzichten. Schön also, dass sich hier noch vor Album-VÖ bei diesem Showcase die Gelegenheit ergibt.

Allerdings muss ich erst einmal meinen Kontakt aufspüren. Passenderweise macht Marc das gleich selbst, ist er doch A&R, Labelchef und Promoter in Personalunion. Gesucht und gefunden! Nach einem kurzen Plausch habe ich noch ein paar Minuten Leerlauf, da gerade der Freelancer noch dran ist, der vom »Loops«-Magazin das Event covern soll. Vermutlich dauert es sogar noch länger, da wohl auch erst noch draußen ein Shoot gemacht wird. Damn! Der Schedule ist eh hinfällig, also trink ich noch ein schnelles Bierchen mit Marc, der mir auch gleich in seiner charmanten, aber bisschen aufdringlichen Art seinen halben Labelroster für weitere Activities andrehen will. »Realizm« will er ordentlich pushen und mit diesem Act endlich mal den deutschen Markt breaken, auch wenn natürlich ein Top 100-Chart-Entry Illusion bleiben wird. Dennoch: »Realizm« sind klar Priority Thema. Danach muss ich mir von ihm in einem ellenlangen Wortschwall den restlichen Forecast seiner Releases der nächsten Monate anhören, bis ich dann endlich mein Mikro für das Interview mit »Surfmonk« in Stellung bringen kann, um sie mal auf ihr Attitude-Problem anzusprechen. Ist doch eh alles nur eine Inszenierung von den Imageberatern des Labels…

Es läuft jedoch nicht immer so reibungslos. Noch gestern hatte Jeff, der Booker von »Attack!«-Agency, mit mir gephoned, dass der Termin mit »Coolabear« off ist. Alles gecancelt und auf nächstes Jahr verschoben. Aber wir handlen das schon. Neuer Tourplan wird parallel bereits ausgehandelt, aber Locations und Dates sind alle noch tbc. Eigentlich wollte er sich heute noch mal melden, aber vermutlich ist er gerade zu busy im Meeting mit seinem Product Manager. Schließlich sind sie derzeit mit der Planung für ihr Sublabel beschäftigt, wohin sie ihre unkommerzielleren Grenzprodukte wie deepe Drum’n'Bass-Produzenten oder ihre neugesignten Posthardcore-Screamos aus Washington DC outsourcen wollen, um ihre Produktlinie übersichtlicher zu staffeln.

Nachdem es jetzt schon so spät geworden ist, schenk ich mir die Performance der Jungs und zurück im Redaktionsoffice checke ich erst mal die Promos. Ah, eine Advanced-Watermarked-Copy des neuen Longplayers von »Rule« aus  Brooklyn ist dabei. Komisch, dass die das jetzt noch verschicken, da in zwei Wochen ja eh bereits Street-Day ist. Wahrscheinlich ist das Ding echt noch nicht geleaked und bei den üblichen Filesharing-Programmen verfügbar. Eine Seltenheit in diesem Biz. Erste Snippets der furiosen neuen Scheibe von »The Gentle Hole« sind auch dabei. Schon stark, aber was soll ein Radioredakteur denn damit anfangen? Haben wohl überhaupt keinen Durchblick da. Komplettes Album gibt es sogar bereits als Pre-Listening bei iTunes, obwohl der Name noch tba ist. Versteh einer diese Taktik. Jeff ruft dann doch noch mal an. Nichts Neues bezüglich »Coolabear«, aber er fragt an, ob wir nicht Lust hätten, die »Fat Preachers«-Tour ein bisschen zu featuren. Trailer, Teasing und redaktioneller Support gegen das übliche Zeugs: Giveways zum Raushauen, Tix für die Show sowieso und wenn es der Slot zulässt, wäre auch noch ein Meet&Greet für unsere Hörer am Venue machbar. Ich confirme das einfach mal spontan und schicke noch schnell ‘nen Feedback an »Streethound Music« raus. Endlich fertig. Die Medienpartner sind gepleased. Ich knipse das Licht aus.

Hier gibt es das “Musick-Glossar” mit allen Übersetzungen und Erklärungen der Fachtermini


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Ein Kommentar zu “Musikbusiness-Sprache. Diagnose: Musick”

  1. John Pussner sagt:

    Da geb ich dir ein greenlightning!

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