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Actress: Eine Frage des Blickwinkels

Actress: Eine Frage des BlickwinkelsDie „Tür“ wird in der Clubkultur immer wieder zum mystischen Ort erhoben, einem Zeitvakuum, in dem Zuversicht und Enttäuschung einen schmalen Grad bilden. Der ins freie dringende Puls der Musik dürfte dabei ein wesentlicher Faktor für nervöse Vorfreude in den Menschenschlangen sein, bilden die tiefen Frequenzen aus dem Inneren des Clubs doch eine Vorahnung auf die noch junge Nacht. Wenn dann die Zeit gekommen ist zu gehen, verändert sich diese Wahrnehmung aber. Der Nachhall der stampfenden Beats signalisiert die Rückkehr in die Normalität und ist nicht selten von einem Gefühl der Melancholie geprägt.

Darren J Cunningham alias Actress dürfte als DJ bestens mit diesen Ritualen der Nacht vertraut sein. Mit seinem zweiten Album „Splazsh“ gelingt es dem Londoner diese Nicht-Orte der Musik akustisch einzufangen und in all seinen emotionalen Facetten auszuleuchten. Dabei geht es zwar deutlich eingängiger als auf seinem Debütalbum „Hazyville“ zu, seinen obskuren Charme hat die Musik aber glücklicherweise nicht einbüßen müssen. Der ehemalige Fußball-Profi verschreibt sich bewusst keiner festen Stilrichtung, sondern experimentiert lieber mit den unterschiedlichsten Versatzstücken der elektronischen Musik. Doch egal ob relaxter Deephouse oder vor Schmutz starrender Dubstep, der authentische Lo-Fi-Sound und die skizzenhaften Arrangements bilden stets die Klammer für die rohen Beatentwürfe. Die werden von Cunningham durch geschickt verknüpfte Kompressoren immer wieder extrem verdichtet. Durch die Andeutung und Verschiebung der musikalischen Muster entsteht so ein enormer Reibungsmoment. Das wäre alles nur halb so sensationell, wenn das Album nicht von einem subtilen aber stets präsenten Soul durchzogen wäre, der im Zusammenspiel mit den analogen Klangerzeugern eine maßgebliche Dimension darstellt. Trotz der zahlreichen Referenzen hat Actress einen sehr individuellen Sound entwickelt, der sich zwar an bestehender Tradition orientiert, aber auch gleichzeitig nach vorne gewandt ist. Der sprunghafte Charakter des Albums macht das Ganze erst richtig unterhaltsam. Statt sich in konzeptuellen Tiefen zu verlieren, präsentiert der dreißig Jahre alte Studiotüftler lieber die Essenz seiner musikalischen Sozialisation.

In dem Sinne scheint auch seine Arbeit als DJ nicht von seiner Rolle als Produzent isoliert zu sein. Da wundert es auch nicht, dass er seit 2004 auch noch das Label Werk Discs betreibt, auf dem er unter anderem Künstler wie Zomby oder Lukid veröffentlicht. „Splaszh“ wurde hingegen bei Damon Albarns Plattenschmiede Honest Jon’s veröffentlicht, einem der vielfältigsten und wichtigsten Labels im Vereinten Königreich. Statt zaghaft über den Tellerrand zu blicken, behält Actress eben lieber das Ganze im Auge und ist sich so stets der Verhältnisse bewusst, in denen er sich bewegt.

“Splazsh” ist am 17. Mai bei Honest Jon’s erschienen

Links: Myspace, Werk Discs


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4 Kommentare zu “Actress: Eine Frage des Blickwinkels”

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  2. [...] beiden letzten Veröffentlichungen, „Hazyville“ und „Splazsh“, waren für ihren schielenden Blick zurück auf die Geschichte von Detroit House, Techno und [...]

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