Plattenkritiken


Rezension: Broken Bells – Broken Bells

Rezension: Broken Bells - Broken Bells

Bald dürfte er sie wohl alle durch haben. Seit seinem hohe Wellen schlagenden „Grey Album“-Streich mischt Brian Burton alias Dangermouse die Popmusikszene zwischen Mainstream und Indie auf und zeigt sich dabei so grenzübergreifend kollaborationsfreudig wie derzeit kein Zweiter. Von jedermanns Lieblings-One Hit Wonder Gnarls Barkley über den Comichelden-Hip Hop von Dangerdoom bis zur letztjährigen Zusammenarbeit mit Indie-Idol Mark „Sparklehorse“ Linkous gibt es wohl kaum ein Gebiet in dem sich der Mann mit dem Afro und Faible für dezente Sonnebrillen nicht wohlfühlen würde. Hauptsache es kommt am Ende mindestens gute Popmusik dabei heraus.

Diesmal ist James Mercer der glückliche Partner in einer denkbar logischen Kombination, denn schließlich war es doch dessen Band The Shins, die mit ihrem Lied „New Slang“ und jenem oft zitierten „It’ll change your life“-Satz Natalie Portmans im Film „Garden State“ maßgeblich dazu beitrug, Indierock endgültig als Filmscore oder Werbespotuntermalung zu etablieren und den eh schon immer ziemlich löchrigen Grenzzaun zum Popmainstream endgültig einzureißen.

„Indie is the new Pop“, diesem Credo fühlen sich auch die Broken Bells  eindeutig verpflichtet, denn von Verweigerungshaltung findet man auf ihrem selbstbetitelten Album keine Spur. Stattdessen klingt hier alles genauso, wie man sich eine Zusammenarbeit von Dangermouse und James Mercer, beziehungsweise den Shins eben vorgestellt hätte. Als hätten die Beatles ihre späten Alben nicht in den 60ern sondern im Hier und Heute aufgenommen und sich dabei ausgiebig aus der großen Zauberkiste des zeitgemäßen Produktions-Know Hows bedient. Der doch etwas anachronistische Gitarrenpop der Shins bekommt hier eine effektvolle Glanzlackierung ohne dabei seinen freundlichen Charme zu verlieren. Gänzlich nostalgiebefreit werden die großen Geister des 60er-Jahre-Pop beschworen und mit erstaunlich wenigen Schritten fürs digitale Zeitalter in Form gebracht.

Während die beiden starken Eröffnungsstücke „The High Road und „Vaporize“ auch auf dem letzten Shins-Album lediglich durch fiepsige Synthie-Sounds, beziehungsweise Mariachi-Trompeten etwas aus dem Rahmen gefallen wären, wird der Rest des Albums immer öfter von charakteristischen Eleanor Rigby-Streichern dominiert, bis das Album in „Mongrel Heart“ sogar seinen ganz persönlichen Ennio Morricone-Moment erleben darf. „The Ghost Inside“ hingegen gibt sich etwas rhythmischer von straighter Hi Hat, Handclaps und Soulgesang dominiert, sodass es als einzig eindeutig zu identifizierender Hit des Albums auch aus Brian Burtons Zeiten mit den Gorillaz oder Gnarls Barkley stammen könnte. Die zahlreichen Arrangements aus klassischem Orchestergedöns, Filmmusikreminiszensen und leichter Psychedelik reichen sich auf diesem Album mit einer Mühelosigkeit die Hände, wie sie nur wahre Könner zu suggerieren im Stande sind. “Broken Bells” ist ein Album, so  reich und  schillernd wie eine Schatztruhe voller Edelsteine.

Ein nahezu perfektes Pop-Album könnte man also denken. Fast, denn bei all der mit Leichtigkeit zelebrierten Perfektion fällt leider auch auf, dass – man verzeihe mir diese Plattitüde, aber hier scheint sie nun wirklich zu passen – bei den Broken Bells nicht alles Gold ist was glänzt. Abseits der erwähnten Highlights verfallen Burton und Mercer nämlich gerne mal einem eher beliebig dahinplätschernden Albumfluss, der zwar auch zu funkeln weiß, dabei aber Dringlichkeit und Überraschungsmomente vermissen lässt. Lieder wie „Your Head Is On Fire“ oder das relativ lustlos ins Nichts trudelnde „Trap Doors“ lassen unter ihrer Hochglanzoberfläche durchblicken, dass Brian Burton bei diesem Album wohl die wirklich spannenden Ideen ausgegangen sind, die seine besten Momente bisher auszeichneten. Es gelingt ihm dann leider nicht, dem zumeist harmlos daherkommenden Indiepop Mercers neuartige Akzente  zu entlocken. Und auch den überschwänglich jauchzenden Elan in dessen Stimme, den schon das letzte Shins-Album größtenteils so schmerzlich vermissen ließ, wird man hier kaum wiederfinden. Was bleibt ist eine geschmackssichere, nahezu perfekt austarierte Fingerübung zweier Ausnahmetalente im gegenwärtigen Pop, deren Leichtfüßigkeit man sich trotz allem nur schwer entziehen kann. Ein zweites Album soll Gerüchten zufolge übrigens schon in der Mache sein. Vielleicht wird das dann ja das mögliche Feuerwerk, das diesen beiden eigentlich jederzeit zuzutrauen sein sollte.

Wertung: 70

Label: Columbia / Sony

Referenzen: The Shins, The Beatles, The Beach Boys, Gorillaz, The Flaming Lips, Fruit Bats, Gnarls Barkley

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 05.03.2010


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Ein Kommentar zu “Rezension: Broken Bells – Broken Bells”

  1. detektor.fm sagt:

    Wir haben bei uns einen Audio-Bericht über Broken Bells. Einfach reinhören:
    http://detektor.fm/musik/album-der-woche-broken-bells-broken-bells/

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