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Die besten Musikvideos | Oktober-Dezember 2009

Die besten Musikvideos | Oktober-Dezember 2009

Während Massive Attack eine alte Dame ihre Pornokarriere Revue passieren lassen und dabei ein durchaus stimmiges Portrait zeichnen, was aber so weit vom eigentlichen Song wegführt, dass sie damit gleich die Kategorie „Musikvideo“ hinter sich lassen (Achtung: Video enthält explizite Szenen) und Flaming Lips-Oberhaupt Wayne Coyne sich an Geburtsszenen und einer Wagenladung Nudisten erfreut (ebenso hier: Geschlechtsteile im Bild), kommt unsere Selektion der Monate Oktober bis Dezember ganz ohne konstruierte Sex-Elemente aus. Hier befinden sich übrigens unsere anderen Quartalsfavoriten: Januar bis März, April bis Juni und Juli bis September.

PLATZ 10: THE MIDDLE EAST – BLOOD
Ein bisschen zu penetrant romantisch stiebt diese Metapher voran, ein bisschen zu kindlich stehen sich hier Leben und Tod gegenüber. Wäre da nicht dieser Traum aus Farben, dann wäre dieser Musikclip ganz sicher kein Kandidat für unsere Rubrik, schließlich ist selbst die Animation holprig wie ihre ganze Botschaft.

 

PLATZ 09: NO AGE – LOSING FEELING
Ach wie süß! Ein Kuscheltier-Diddelmaus-Video! Die Idee gab es zwar schon irgendwann mal bei den Pet Shop Boys, aber das Video des Duos aus Los Angeles lässt nichts an Esprit, Ruckeltechnik und Witz vermissen. Kleine Dinge werden auf einmal groß – sieht man sie durch die Augen einer Minimaus.

 

PLATZ 08: YEASAYER – AMBLING ALP
Ein bildkräftiges Video, was mit Kongruenz zum Song wirkt. Zitate zwischen Abyss und Scissor Sisters, von Herr der Ringe bis zu den Künstler-Kollegen von Flaming Lips und der Island-Ästhetik Sigur Rós’. Die Narration wird von dadaistischen Momenten überformt. Gelungen sind aber viele Einstellungen, z.B. die Grimassen bei Minute 0:50.

PLATZ 07: TOM FUN ORCHESTRA – BOTTOM OF THE RIVER
In Zeiten scheiternder Klimagipfel ist das Thema “Umweltschutz” in aller Munde. Plakative Gesten bleiben da nicht aus und das Tom Fun Orchestra schließt sich mit einem Plädoyer an: Haltet den Fluss sauber! In tümpeliger grün/blau-Optik und mit Scherenschnittmonster ist dieses Lo-Budget-Video sehenswert. Nicht zuletzt, weil die Moralkeule mit Ironie und Witz daherkommt.

PLATZ 06: VLADISLAV DELAY – TOIVE
Mit wissenschaftlicher Akribie hat seine Musik schon immer etwas zu tun gehabt – was liegt da näher als chemische Transformationsprozesse auch im Video festzuhalten? Obskure Morphings, Aggregat-Umformungen und bizarre Kristallformen dehnen und strecken sich. Auch wenn am Ende nur die Erkenntnis bleibt, dass Neues entstehen kann: Der Prozess bis dahin ist eine visuell ansprechende Reise mit Form und Farbe.

PLATZ 05: MODERAT – ART & CASH
Kunst als Produkt, das erst mit dem Rezipienten entstehen kann. Entsprechend lebt das Künstlerische von der Diskussion, vom Dialog und der ständigen Neuverortung, von reflexiven Prozessen, ästhetischer Wirkung und, leider auch, vom finanziellen Rahmen. Entsprechend lang ist die mögliche Liste von Fragen an die Kunst: Was ist Kunst? Wer macht Kunst? Und wieso ist die Unterwerfung unter diese Konventionen ein Muss? Genug Stoff für mindestens vier Videos. Moderat versuchen es mit einem, in dem sie tradierte Bildmotive und große Klassiker spielerisch neu inszenieren. Leider lässt vor allem der hedonistische Party-Teil die stimmige Grundidee verflachen. Spannender für die Deutungsebene, aber für die Masse wohl kaum enkodierbar, wäre zudem die Beschäftigung mit Werken aktueller Künstler gewesen.

PLATZ 04: GRIZZLY BEAR – READY, ABLE
Volle Knetgummi-Attacke voraus! Monster und organische Formen ergeben sich der Stop-Motion-Technik, verlieren Form, Anstand und Würde, werden Fratzen, die der Mensch selbst im Ausstellungskontext auf Sockeln noch zu Kunst macht. Zwischen perfider Mimikry und außerirdischen Lebensformen spielt dieses Video mit der Ästhetik des Absurden.

PLATZ 03: THESE NEW PURITANS – WE WANT WAR
Wenn der Mensch zur Waffe wird: Dieses Video spielt mit Ballistik, formt Astralkörper zu Projektilen und lässt sie wie ferngesteuert ins feindliche Terrain eindringen. Nie furchtlos, sondern mit ängstlichen Blicken, die erst von der Uniform (hier als Kürzel der Maske) gewandelt werden. Viele tolle Metaphern in einem ästhetischen Video.

PLATZ 02: CHARLOTTE GAINSBOURG – HEAVEN CAN WAIT
Kaum größer könnten die Kontraste sein: Als Schauspielerin zuletzt in “Antichrist” aktiv, nun samt Beck’scher Verstärkung auf lieblichen und positiv gestimmten Poppfaden unterwegs. Derlei Brüche werden hier thematisiert, das Befremdliche, das Obskure, das Irrwitzige des Alltags wird aus bekannten oder weniger bekannten Kunstobjekten, Youtube-Videos oder im Internet kursierenden Bildern adaptiert und zu einem Video geformt. Verrückt und gleichermaßen hinreißend melancholisch.

PLATZ 01: RAMONA FALLS – I SAY FEVER
Ein hervorragendes Animationsvideo zwischen Racheepos und bunter Maskerade von Tieren in Menschengestalt. Plakative Demaskierung und Heldenkritik in einem Setting des Wilden Westens. Die Bezüge zu den großen Klassiken liegen hier offen. Ein herrlicher Rausch mit durchaus interessanten Bildmomenten. Showdown für diesen hervorragenden Song samt visueller Umsetzung.


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4 Kommentare zu “Die besten Musikvideos | Oktober-Dezember 2009”

  1. [...] mit Lovecraftschem “Iä! Iä!”-Gesang einfällt wirkt die Single, die schon von einem ausgezeichneten Video begleitet wurde, wie eine rituelle Beschwörung, und tatsächlich durchziehen die Texte von Sänger [...]

  2. [...] Allein schon die herausragende Vorab-Single „Ambling Alp“, die es zudem noch in unsere Musikvideo-Auswahl des letzten Quartals 2009 geschafft hat, sollte dafür sorgen, dass doch ungeahnt viel Rummel um [...]

  3. [...] Video zu „We Want War“, das sich Ende des letzten Jahres auch einen der vorderen Ränge unserer Musikvideoauswahl ergattern konnte. Wie ihr seht, überzeugt die Band auf ganzer Linie, also nichts wie [...]

  4. [...] Top 50 gibt es noch eine Vielzahl von Platten aus unserer “Geheimen Beute“, eine Musikvideo-Auswahl, und doch – es war ja irgendwie abzusehen – überkommt einen in den letzten Tagen vor [...]

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