Plattenkritiken


Rezension: Noah And The Whale – The First Days Of Spring

Rezension: Noah And The Whale - The First Days Of Spring

Das Erfreuliche am neuen Noah And The Whale Album: es hat sich seit dem Debüt „Peaceful, the World Lays Me Down“ einiges getan. Weniger schön ist, dass dies nicht nur die musikalische Entwicklung betrifft. Laura Marling, zur Gründungszeit der Gruppe Bandmitglied und Lebensgefährtin des Sängers Charlie Fink, ist auf „The First Days of Spring“ nicht mehr zu hören.

Schon nach dem ersten Durchlauf lässt sich vermuten, dass dies nicht unbedingt Differenzen zur Ursache hat, die im Bereich des Songwritings und der Instrumentierung liegen, weitaus Schmerzhafteres muss vorgefallen sein. Und plötzlich findet man sich in einer unangenehmen Position wieder: man erfährt weder, was genau geschehen ist, noch kennt man die Beteiligten und ihre Geschichten, dazu kommt noch, dass man nur die Ausführungen einer Seite hört. Natürlich wäre es das Klügste, in einer solchen Situation keine Stellung zu beziehen, jedoch ist eines dabei hinderlich: die Musik.

Es ist schlichtweg herzzerreißend, wie Fink sich mit einer Stimme, die aller Gebrochenheit zum Trotz immer noch eine mehr als beachtliche Wärme und Kraft ausstrahlt, durch die verschiedensten Phasen eines Beziehungsendes singt. Der erste Schock, Unglauben, Betäubungsversuche, schmerzhaftes Erkennen der Auswegslosigkeit und in seiner Stärke schwankende Zuversicht, all das ist in elf Lieder in unterschiedlichen Anteilen präsent und bildet so einen Ausblick über Höhen und Tiefen im Leben eines Menschen, den man trotz aufkommender Bedenken gerne in sein Herz schließt. Schließlich lässt sich das Aufwallen und Manifestieren der durch scheinbar traumatische Ereignisse heraufbeschworenen Gefühle, ihr Auftürmen und Übereinanderstürzen nur von Finks Standpunkt aus betrachten, er steht vor, nicht über den Tatsachen. Unbekannt bleibt, was sich in schattigen Tälern und Schluchten, hinter Überhöhungen und auf dem Grund der Tränenbäche verbirgt. Aber welche Scherben fallen schon wohlsortiert zu Haufen?

Beachtlich ist jedoch, in welch wunderbarer Farbigkeit die Erfahrungen eines Menschen hier nachgezeichnet werden. Recht ambitioniert wird vor dem Gebrauch eines Chores nicht halt gemacht, sogar ein ganzes Orchester erklingt. Nur in seltenen Momente findet sich die offensichtliche Gefälligkeit des Vorgängeralbums, die Dynamik ist vielschichtiger und eine Folklustbarkeit wie „Five Years Time“ sucht man lange, wenn auch mit ein wenig Aufmerksamkeit nicht vergebens. Die Melodien sind noch immer von der Liebe zur Schönheit beseelt, es darf auch hier geschwelgt werden, gesetzt den Fall, man hat nichts gegen ein gerütteltes Maß an Schmerz und glaubt dem Versprechen, dass es hier trotz allem niemals selbstgefällig zugeht, denn als Gesamtheit betrachtet handelt es sich bei „The First Days of Spring“ um eine Verneigung vor der Ernsthaftigkeit und erschreckenden Größe des Lebens durch die Kraft der Empfindungen.

Wertung: 80

Label: Cooperative Music

Referenzen: The Innocent Mission, My Latest Novel, Sufjan Stevens,  Elvis Perkins, Emmy The Great, Hello Saferide

Links: Homepage / Myspace

VÖ: 18. 09. 2009


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Ein Kommentar zu “Rezension: Noah And The Whale – The First Days Of Spring”

  1. [...] nur auf den Revival-Dreampop von Wild Nothing, als Jack and the Whale (Nicht zu verwechseln mit Noah and the Whale) gibt er auch mal den folkigen Songwriter. Und auch das gelingt ihm, wenn auch nicht mit der [...]

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