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Warp – Zwanzig Jahre Taktgeber der Popmusik

Warp - Zwanzig Jahre Taktgeber der Popmusik

Damals, mit vierzehn, weit vor der ultimativen Expansion des Internets erkannte mich die Verkäuferin des lokalen Elektromarktes schon von Weitem. Kein Wunder, schließlich schlich ich mit den Musikzeitschriften meiner Wahl bewaffnet durch die Gänge und lud mir stapelweise CDs auf, die ich späterhin öffnen ließ, um sie auf der hauseigenen Abspielstation via Kopfhörer anzutesten. Ein ziemlich wahlloses Unterfangen, das oft damit endete, dass ich bereits nach wenigen Sekunden einen Hörtest abbrach, weil die Alben oft doch stilistisch weit davon entfernt waren das zu sein, was ich erwartete. Damals, mit fünfzehn, verstand ich erst, dass die Zugehörigkeit zu bestimmten Labels durchaus einen signifikanten Hinweis darauf geben kann, um welche Musik es sich handelt und, noch wichtiger, ob Qualität zu erwarten ist.

Das Label Warp ist seit zwanzig Jahren Spitzenreiter in dieser Disziplin und ein Glücksfall in jeglicher Hinsichtt. Begannen die Sheffielder (inzwischen in London beheimatet) als reines Elektronik-Label,  das durchaus einen experimentelleren Ansatz verfolgte – für den Tanzflur waren die meisten Veröffentlichungen nicht in erster Linie gemacht, vielmehr für das advanced listening auf dem heimischen Sofa. Bleeps und Blonks flogen durch die Boxen, störrische Computermusik oder ambiente Rauschwolken. Mit der Phase der Intelligence Dance Music etablierte sich das Label vollends und hatte rückblickend gesehen viele stilbildende Künstler unter Vertrag: Aphex Twin, Autechre, Squarepusher, Boards Of Canada. Bands die heute durchweg Klassikerstatus besitzen. Prefuse73 oder Broadcast machten da keine Ausnahme und auch die Phase der Diversifizierung des Bandrosters Richtung HipHop (Anti-Pop Consortium, Flying Lotus), Indie und Rock überstand das Label aufgrund seiner ausgesuchten und sehr konzentrierten Signing- und Veröffentlichungspolitik ohne Imageschaden. Im Gegenteil: Heute sind mit Maximo Park, Grizzly Bear oder Battles Bands an Bord, die mit ihrem kommerziellen Erfolg schnell tragende Säulen des Labels geworden sind und so auch weniger verkaufsträchtige Veröffentlichungen ermöglichen, die weiterhin das Labelprofil schärfen und prägen.

Inzwischen steht zwar das Logo „Warp“ auf den Platten nicht mehr unbedingt im Sachzusammenhang mit elektronischen Veröffentlichungen – eins aber eint fast alle Releases: Ihre unbestreitbare Klasse und der Pioniergeist im jeweiligen Genre. Warp-Veröffentlichungen sind immer hochaktuell, spiegeln oftmals den status quo des Popgeschehens wider und setzen so Impulse für viele nachfolgende Künstlerinnen und Künstler. Warp als Speerspitzenlabel zu betiteln, ist entsprechend nicht zu weit gegriffen. Mit der Dichte an herausragenden Bands und Künstlern und ihrem exzellenten Output darf Warp aber auch 2009 als eines der besten Labels der Welt gelten. Herzlichen Glückwunsch!

PS: Ab übermorgen startet unsere große Review-Lawine: Alle Warp-Alben der letzten zwei Jahre in der großen Übersicht. Bleibt neugierig!

2 Kommentare zu “Warp – Zwanzig Jahre Taktgeber der Popmusik”

  1. [...] immer ein guter Index: Die Tastemaker-Labels wie Warp, die jüngst erst eine Labelkompilation namens „2010“ veröffentlichten (hier vorhören). [...]

  2. [...] aller Künstler auf einem Label. Nützlich für einen Geschmackssicherheits-Schnelltest. Beispiel: Warp Records [x] bestanden, Armada Records [  ] [...]

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