Plattenkritiken


Review: Sunset Rubdown – Dragonslayer

<b>Review:</b> Sunset Rubdown - Dragonslayer

Sparen wir uns mal die mühsame Einleitung und kommen gleich zur Sache, „Idiot Heart“, was für ein genialisch getriebenes Biest von einem Song: „Stay Away From Open Windows And Put The Telephone Down. Can You Run As Fast As This House Will Fall, When The Alarmbell Sounds?“ Während der Bass stoisch versucht das berstende Gemäuer irgendwie zusammenzuhalten, stolpert, klimpert und quietscht sich der Rest alias in allen Regenbogenfarben flimmernder Gitarre, hyperventilierendem Schlagzeug und Xylophon sowie heillos überfordertem Keyboard ins taumelnde Delirium, wechselt noch das ein oder andere mal die Richtung bevor nach drei Minuten dann doch noch so etwas wie ein Refrain einsetzt.

„And You Know Your Heart, But It’s An Idiot Heart“ singt Spencer Krug mit scheinbar weit aufgerissenen Augen, während Co-Sängerin Camilla Wynne Ingr nach erneuter Tempoverschleppung ein zuckersüß betontes „I Hope That You Died In A Decent Pair Of Shoes, You’ve Got A Lot Of Long Walking To Do.” hinzufügt bevor das ganze Gebäude im explosiven Finale mit Krugs charakteristischen “Whoo-oos“ und „Ieehks“ dann endgültig in sich zusammenfällt. Wäre da nicht auch noch „Stillness In The Move“ von den Dirty Projectors, Sunset Rubdown hätten den Wettbewerb um das aufrgendste Stück Musik im ersten Halbjahr 2009 mit diesem Vorabtrack zum neuen Album klar für sich entschieden.

Aber es kommt sogar noch besser, denn eben jenes „Idiot Heart“ bildet bei weitem keine Ausnahme auf „Dragonslayer“, dem das Kunststück gelingt, zugleich Sunset Rubdowns bis dato eingängigstes, geschlossenstes aber auch komplexestes Album geworden zu sein. Dies ist zum einen bereits erwähnter Camilla Wynne Ingr zu verdanken, deren geisterhaft unaufdringlicher Gesang sich hier als perfekte Ergänzung zu Spencer Krugs gehetzt euphorischem Psychopatentum heraustellt, zum anderen aber auch einer deutlichen Entschlackung des Sounds, weg vom Vaudeville und Kettengerassel der Vorgänger hin zu mehr klassicher Rockinstrumentierung, die zwar auf den ersten Blick recht harmlos scheint, es dann aber  vor allem in Form von hysterisch kreischenden Gitarrensoli faustdick hinter den Ohren sitzen hat.

Um mal in der Sprache des Albumtitels zu bleiben, ließe sich „Dragonslayer“ auch mit einer mittelalterlichen Festung vergleichen, die von außen betrachtet recht simpel gebaut zu sein scheint, in deren zahlreichen mit Falltüren, Schatzkammern und umherirrenden Geistern und Untoten ausgestatteten unterirdischen Geheimgängen man sich aber auf ewig verlaufen kann. Besonders heimtückisch sind hierbei neben „Idiot Heart“ auch das gespenstische Eröffnungsstück „Silver Moons“, in dem sich die beiden gegensätzlichen Gesangsparts am Ende zu einem zauberhaftem Duett à la „Die Schöne und das Biest“ vereinen, und das zwischen absoluter Verstörung, abrupten Überfällen und Powerpoprefrain oszillierende „Black Swan“, dessen Zeilen „My Heart Is A Kingdom, Where The King Is A Heart“ der schwer greifbaren Tiefgründigkeit dieser Platte, nun ja, zumindest ziemlich nahe kommen. „You’re Such A Champion“ heißt es im majestätischen Schlussstück „Dragon’s Lair“, eine Aussage, die man in Bezug auf Spencer Krug und Sunset Rubdown angesichts mittlerweile dreier Alben auf derart hohem Niveau wohl nur bestätigen kann.

Wertung: 83

Label: JagJaguwar (Cargo)

Referenzen: Wolf Parade, Swan Lake, Frog Eyes, Modest Mouse, The Paper Chase, Arcade Fire

Links: Homepage

VÖ: 26.06.2009


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7 Kommentare zu “Review: Sunset Rubdown – Dragonslayer”

  1. Pascal sagt:

    “you’ve got to wait. you’ve got to wait. you’ve got to wait for me.”

    Pure Ekstase. Da hat´s just in dem Moment fast die Lampe über mir erwischt:)

  2. [...] kehrt er zu den Soloanfängen Sunset Rubdowns zurück, die selbst mittlerweile zur ganz eigenen, formidablen Band gereift sind. Nicht nur die Traumnähe von Moonface selbst legt seine Homepage offen, neben [...]

  3. [...] knabbert. Wer immer behauptet, die Welt sei schlecht und Indiepop sei spätestens seit der letzten Sunset Rubdown öde und langweilig, der hat Fang Island noch nicht gehört. Die Landkarte der Popmusik steckt [...]

  4. [...] Mutterschiff-Schmiede Deerhunter emanzipiert – ähnlich wie vor einiger Zeit die Kollegen von Wolf Parade – nach Bradford Cox’ Atlas Sound bereits erfolgreich das [...]

  5. [...] Wolf Parade als auch seine ganz eigene Band Sunset Rubdown liegen bis auf Weiteres still. Doch Spencer Krug macht weiter: Als Moonface, das sich mit jedem [...]

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