Plattenkritiken


Review: Future Of The Left – Travels With Myself And Another

fotl-travelsDrei kurze Platten und zehn verschlissene Zwangsjacken später starben McLusky aus Wales einen schnellen Tod. Zu schnell, wie man retrospektiv feststellen wird – und natürlich allzu humorlos im Vergleich zu den aberwitzigen, rasenden Rockmonstern von Alben (allen voran das unumstößliche „Do Dallas“). Dass man nicht lange auf nachfolgende Bands warten musste, war klar. Denn der Bandsplit fiel in die Zeit der Aufnahmen zum neuen Album und entsprechend konnten 2/3 von McLusky mit einer kurzen Umetikettierung als Future Of The Left fast nahtlos weitermachen. Ihr Debüt „Curses“ war dann wieder so eine hervorragend dampfende Krachmaschine, gespickt mit den absurdesten Texten, die je auf diesem Planeten ersonnen wurden. Krank, natürlich, aber eben auch so unterhaltsam wie sonst kaum eine zweite Band. McLusky einmal ausgenommen.

Man kann es ihnen nicht verübeln, dass auch „Travels With Myself And Another“ dieselben unverwechselbaren Trademark-Klänge abermals aufgreift. Textlich haben sie weiterhin die Bisskraft eines ausgewachsenen Wolfes. Eines hungrigen Wolfes. “Turn around face our deepest fears, Re-imagine God as just a mental illness”, heißt es da in ihrem Downloadtrack “The Hope That House Built” und macht kurzen Prozess mit den Illusionen auf Besserung, denn schließlich gilt immer noch die einfache Gleichung: “You Need Satan More Than He Needs You”. Glaube, Hoffnung, Schein, Trug und der dominanten Kraft des alles zusammenhaltenden Systems namens Angst wird auch auf dem neuen Werk genüsslich und mit einem diabolischen Grinsen im dröhnenden Bass die Luft abgedreht. Und nein, sie wollen nicht bloß spielen. Gar blanken Hass scheinen die Fixpunkte Katholizismus und Konsumkritik heraufzubeschwören, wobei man bei Future Of The Left nie weiß, wo genau die Grenzlinie zwischen echtem Aufbegehren und ironischem Kommentar verläuft. Und gerade in dieser Uneindeutigkeit äußert sich die Qualität, die alle Werke aus dem Bandkosmos besitzen. Schmunzeln bis der Kloß im Hals nicht mehr runtergeschluckt werden kann.

Einfach und kompromisslos: Das ist die alles umschließende Formel, die sich nicht nur in den Texten äußert, sondern vor allem in der auf das Nötigste reduzierte Instrumentarium beschränkt, das aber einen schwitzenden und grollenden Schwall über die Hörer ergießt, die sich angesichts der totalen Lautstärke besser nur geduckt bewegen. Selbst dann dürfte der verzerrte Groove der Walze namens Bass noch niederschlagend wirken. Wie Berserker bedienen sie ihre Instrumente und erzielen damit schlagkräftige Effekte, die der Schlagfertigkeit in den Lyrics in nichts nachstehen. Einzig die aufgelöste Formation Death From Above 1979 vermochte es in der jüngeren Rockgeschichte eine ähnlich gelagerte Ästhetik zu gestalten, die in ihrer Simplizität die rohe Kraft der einzelnen Instrumente gleichberechtigt einfach nebeneinanderstellte. Die Rückeroberung alter Errungenschaften von männlicher Stärke und Potenz stehen hier dennoch nicht im Vordergrund, vielmehr die Maximierung von Effekthascherei. Die unverzerrten Mathrock-Gitarren mit ihren zackigen Figuren, der grummelnd-dominante Bass und das trockene Schlagwerk bieten dabei aber nur den Untersatz für die krummen Gesänge des Frontmanns Andy Falkous, die sich mal hektisch, mal giftig, aber immer schnodderig gegen den Rest durchsetzen müssen. Das schafft ein Spannungsverhältnis zwischen musikalischer Dynamik und Dramaturgie des Songaufbaus.

Alleine, die Motivik erfährt inzwischen ein paar Abnutzungserscheinungen. Der gallige Sprechgesang korrespondiert gewohnt mit der Gitarrenarbeit, die Melodien beschwören Ahnungen alter Alben herauf, die Brüche sind fast schon vorhersehbar. Wenn gerade leise über die besten Gefängnisausbrüche in Hollywoodfilmen diskutiert wird, dann dauert es garantiert nicht lange, bis der Bass wieder seine wütende Keule schwingen darf. Die Überraschung ist etwas raus, wenngleich die Band noch Puste in ihren Saiten zu haben scheint, denn zahmer sind ihre Songbiester nämlich nicht geworden. Und irgendwie ist es auch nur konsequent, dass die Hymnenhaftigkeit etwas zurückgenommen wurde, denn an verschütteter Eingängigkeit war der noch stärkere Vorgänger kaum mehr zu toppen. Um präzise zu sein, machen Future Of The Left auch im Grunde das Gegenteil von hymnenhafter Musik. “Travels With Myself And Another“ atmet schlichtweg den Geist von Souveränität. Das hier will nicht um jeden Preis gefallen, aber auch nicht gänzlich schocken. Deswegen gönnen sie sich beim durchgeknallten „Throwing Bricks At Trains“ sogar einige „Ahh-ahh“s im Hintergrund, bevor sie ihre Songs wieder mit Schwung über die Klippe jagen. Insane in the mad brain und Spaß dabei.

7.0 / 10

Label: 4AD

Referenzen: McLusky, Death From Above 1979, The Jesus Lizard, Parts & Labor, Pissed Jeans, Shellac, The Paper Chase

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 19.06.2009


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3 Kommentare zu “Review: Future Of The Left – Travels With Myself And Another”

  1. Pascal sagt:

    Von mir gibt´s sogar 8,3 aufwärts. Endlich wieder nahe an der “Do Dallas”-Form.

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