Plattenkritiken


Review: Andrew Bird – Noble Beast (2009)

andrew_bird-noble_beast-album_artAndrew Bird gehört zu der Art Singer/Songwriter, die immer da ist, pünktlich im Zweijahresrhythmus Alben abliefert und dennoch nie den großen oder überhaupt irgendeinen Durchbruch schafft. Was ihm fehlt, sind wohl die Posterboyqualitäten eines Conor Oberst, die schillernde (schwule) Persönlichkeit eines Rufus Wainwright oder der niedliche Größenwahn von Sufjan Stevens, der es sich vorgenommen hat, sämtlichen US-Bundesstaaten ein eigenes Album zu widmen. Am Talent kann es jedenfalls nicht liegen, denn in seinen besten Momenten klingt der Mann, für den das Wort Multiinstrumentalist wohl erst erfunden wurde, wie die bessere weil uneitlere Synthese der beiden Letztgenannten. Zu hören zum Beispiel auf seinem letzten Album „Armchair Apocrypha“, das auf eleganteste Art und Weise Können und Stilsicherheit miteinander verband.

Und auch auf „Noble Beast“ präsentiert uns Andrew Bird wieder perfekt ausgefeilte Arrangements, mit Handclaps und Streichern an den richtigen Stellen, die von herausragender Kennerschaft der letzten 50 Jahren Popgeschichte und darüber hinaus zeugen. Wieder einmal alles richtig gemacht, also? Nicht ganz, denn nachdem „Noble Beast“ mit „Oh No“ sein größtes Ass gleich ganz zu Beginn aus dem Ärmel zaubert, wird man in manchen Momenten den Eindruck nicht los, das es hier an irgendetwas fehlt. Songwriting und Arrangements sind zwar, wie bereits gesagt, über jeden Zweifel erhaben, doch mit den ganz großen, zwingenden Ideen, die ein großartiges von einem guten Album unterscheiden, scheint Herr Bird diesmal zu geizen. Mehr als nur einmal erzeugen die gekonnten Spielereien hier (zwar äußerst wohlklingende, aber eben doch nur) Langeweile. Auch sein Markenzeichen, das obligatorische Pfeifen, für das man ihn ja eigentlich so liebt, wirkt bisweilen etwas arg manieristisch, als ob es über einen Mangel an Essenziellem hinwegtäuschen wollte. Aber genug gemeckert, Andrew Bird ist natürlich insgesamt ein viel zu großer Könner, um ein bloß mittelmäßiges oder gar schlechtes Album abzuliefern. Mit „Noble Beast“ verhält es sich in etwa wie mit den letzten Filmen von Wong Kar Wei, der ganz große Wurf lässt zwar auf sich warten, aber der Genuss einem solchen Meister bei der perfekten Ausübung seines Handwerks beiwohnen zu dürfen ist manchmal auch schon so Einiges wert.

7.0 / 10

Label: Fat Possum / Bella Union / Cooperative / Universal

Referenzen: Rufus Wainwright, Jeff Buckley, Damien Rice, Sufjan Stevens, Adam Green

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 06.02.09


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2 Kommentare zu “Review: Andrew Bird – Noble Beast (2009)”

  1. florian sagt:

    “Was ihm fehlt, sind wohl die Posterboyqualitäten eines Conor Oberst, die schillernd (schwule) Persönlichkeit eines Rufus Wainwright oder der niedliche Größenwahn von Sufjan Stevens, der es sich vorgenommen hat, sämtlichen US-Bundesstaaten ein eigenes Album zu widmen.”

    herrlich :D

  2. [...] die übergeordnete und grundsätzlich natürlich begrüßenswerte Konzeptualität dem Vorgänger „Noble Beast“ vielleicht noch an der einen oder anderen Stelle im Weg, so schafft sich der Geigenmann hier das [...]

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