Plattenkritiken


Review: Wintersleep – Welcome to the Night Sky (2007)

Cassiopeia

Wie konnte denn das nur nicht passieren? Da entscheiden Wintersleep dieses Jahr das Rennen um den kanadischen Juno-Award in der Kategorie “New Group of the Year“ für sich und noch immer schlagen die fünf Recken aus Halifax mit ihrem nun schon dritten Album keine großen Wellen auch jenseits des großen Teiches? Noch einmal: Kanada, Juno Award, “New Group of the Year“. Also bitte! Ihre vier geplanten Auftritte innerhalb deutscher Grenzen im Dezember geben ausreichend Anlass, einen kleinen Rückblick auf ihr 2007er-Werk “Welcome To The Night Sky” zu werfen.

An erster Stelle steht Paul Murphy und sein steter Begleiter: Der Halleffekt. An seinen Stimmbändern zupfen gleichermaßen Paul Banks, Kasper Eistrup und auch Michael Stipe hinterlässt seinen Stempel. Der klassische Primus, Frontmann und Strippenzieher einer Band, die an jedem Instrument mit einem erstaunlich kreativen Kopf besetzt ist. Und doch klingt er so unverkennbar eigen, verletzlich, und bleibt als tragendes Element jederzeit mit beiden Beinen auf dem Boden. Für den Ausflug in den Sternenhimmel sind seine vier Mitstreiter zuständig. Sei es Tim D’Eons genreübergreifende Gitarrenarbeit oder Loel Campbells facettenreiches Drumming. Auf “Welcome To The Night Sky“ trifft Pop auf Post, trifft Folk auf klassischen Indie-Rock der 80er und breakdurchzogene Songs wie “Drunk On Aluminium“, welches der Hörer leicht für drei Songs halten könnte, auf klaviergetragene Lo-Fi-Melancholie eines “Dead Letter & The Infinite Yes“. Und wenn die Band im gospelartigen “Weightly Ghost“ zum Chor ansetzt, wird auch den tiefsten Winterschläfern schließlich warm ums Herz.

Seine volle Blüte entfaltet “Welcome To The Night Sky“ erst mit seinen letzten drei Stücken – Ein Schlussakt, welcher selbst kanadische Szenekollegen mit der Zunge schnalzen lassen dürfte. “What will become of us? Oblivion!“. Die spürbare Wut und Verzweiflung, die Paul Murphy mantraartig in “Oblivion“ besingt, überträgt sich auf das folgende “Laser Beams“ und erreicht in einem ansteckendem Crescendo seinen Höhepunkt. “Am i just wrong? How could I ever get so goddamn dumb?“.

Ein leises Orgelspiel und verhaltene Drums leiten “Miasmal Smoke & The Yellow Bellied Freaks“ ein, den epochalen Schlusspunkt des Albums. Die folgenden acht Minuten brechen komplett aus dem Rahmen der Platte, brechen aus dem Rahmen der elegischen, verspielten Hymnen aus Folk, Indie und Lo-Fi und malen eine bunte, interstellare Wolke an den Nachthimmel. Der kleine Ausflug in die Höhen des Post-Rock wird durch Murphys Gesang, der erst nach knappen vier Minuten Laufzeit einsetzt, vorzeitig gestoppt. “If I could only sleep/ if I could stop imagining/ if the dreams weren’t after me“. In einer finalen Stromschnelle aus Chorgesang, treibendem Gitarrenspiel und schneidenden Orgeln befreit er sich wieder von seinen Fesseln und verschafft dem Hörer ein allerletztes Hochgefühl.

“Welcome to the night sky“, dieses farbenfrohe Spiel der Instrumente, diese vielschichtige Genre-Wundertüte, hat auch noch ein Jahr nach der Veröffentlichung nichts von dem begeisternden Glanz verloren. Der Besuch eines ihrer Konzerte sei euch somit uneingeschränkt empfohlen.

8.7 / 10

Label: Labwork/ Dependent

Spieldauer: 41:40

Referenzen: Kashmir, Interpol, R.E.M., The National, Elbow, The Mayan Factor

Links: Homepage, MySpace

Tourdaten:

07.12.08 – Köln, Gebäude 9

09.12.08 – Hamburg, Molotow

10.12.08 – Berlin, Bang Bang Club

11.12.08 – München, 59:1


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2 Kommentare zu “Review: Wintersleep – Welcome to the Night Sky (2007)”

  1. its a name sagt:

    Au ja! Habs mir jetzt gekauft und ist wirklich toll!

  2. [...] Schließlich hört das Ohr mit! Mit dabei sind Songs von den neuen Alben von The National oder Wintersleep, dazu viele geniale Remixe von Mount Kimbie bis Joy Orbison. Und auch unser 82%-Mann Tallest Man On [...]

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